Er war wieder da

 Im September startete Julian auch wieder in die Schule und fand dort auch gleich wieder tollen Anschluss. Auch die weitere Einnahme der Chemo-Tabletten merkte man ihm eigentlich nicht viel an. Er war ab und zu etwas müder, aber großartige Veränderungen hatten wir bis dort nicht feststellen können. 

 

Erst in der zweiten Oktoberwoche merkte man bei Julian plötzliche Veränderungen, vor allem einige Lähmungserscheinungen an. Da solche Erscheinungen auch als Nebenwirkung der Chemotherapie beschrieben war, machten wir uns in den ersten Tagen noch keine allzu großen Sorgen. Diese Lähmungen wurden aber immer schlimmer und mit der Zeit konnte Julian einen Arm nicht mehr bewegen und nur noch sehr schlecht gehen. So haben wir uns dann entschieden,  dies vom Arzt in Dornbirn begutachten lassen. Er war dann gleich der Ansicht, dass hier was nicht stimmt und ordnete ein Notfall MRT an. Auf diesem war aber von einem Tumor oder dergleichen  noch weit und breit nichts zu sehen. Auch die weiteren Untersuchungen in Vorarlberg erbrachten keine Erkenntnisse und so ging es wieder mal in die Uniklinik nach Innsbruck. Auch hier gab es noch keine endgültige Diagnose und man versuchte mit verschiedenen Therapien eine Besserung herbei zu führen. Wir fuhren anschließend wieder nach Hause ins Ländle um dann einige Tage später nochmals nach Innsbruck zu fahren. Zwischenzeitlich hat sich die Lage so sehr verschlechtert, dass Julian nicht mehr laufen konnte und wir ihn mit dem Rollstuhl transportieren mussten. 

 

Nach einigen weiteren Untersuchungen erzählte uns dann die leitende Oberärztin, dass der "Schweinehund" von Tumor wieder da ist. Der Schock war rießen groß und ich denke wir waren wieder mal sprachlos. Ich erinnere mich aber noch sehr gut an das folgende: wir haben dann auch Julian zu uns geholt um ihm dies mitzuteilen und als die Ärztin dies sagte, hat er bitterlich angefangen zu weinen. In dem Moment wo ich das hier schreibe, kommen mir bei diesen Gedanken auch wieder die Tränen. 

 

Was dann aber noch viel schlimmer war, ist die Tatsache, dass der Tumor nun so blöd liegt, dass eine Operation nicht mehr möglich war. Julian bekam dann gleich eine Leitung gelegt und die Ärzte wollten ihn eigentlich in der Klinik behalten. Zwar bin ich ein großer "Fan" der Innsbrucker Klinik, doch zu diesem Zeitpunkt wollte ich nur nach Hause und merkte auch, dass Julian hier weg will. Nach einem Telefonat mit unserem Arzt in Dornbirn war es dann klar und wir konnten die Klinik wechseln.

 

Es ging dann auf direktem Weg ins Krankenhaus nach Dornbirn wo wir schon erwartet wurden. In der Zwischenzeit konnte Julian auch nicht mehr sprechen und konnte sich nur noch mit einer Hand via Zeichen verständigen. Nach der Aufnahme und dem "Zimmerbezug" hatten wir noch ein ausführliches Gespräch mit dem Primar und er erklärte uns nochmals, dass er die Situation für aussichtslos empfindet und man hier nur noch Maßnahmen setzen kann, damit Julian keine Schmerzen und Ängste hat. In den folgenden Tagen haben wir noch versucht mit einem speziellen Mittel zur Chemotherapie eine kurzzeitge Besserung herbei zu führen, doch diese und alle anderen Therapien brachten leider nicht den gewünschten Erfolg.

 

Julian konnte in der Zwischenzeit auch seine rechte Hand kaum mehr bewegen. Als seine Mutter ihn dann aber fragte, ob er nach Hause will und wir alle Therapien beenden, hat er noch ein Zeichen gegeben und damit war eigentlich klar, was zu tun ist. Auch wenn es natürlich schwer gefallen ist, denn es war uns klar, wenn er zu Hause ist, wird er die Wohnung nicht mehr lebendig verlassen, sind wir seinem Wunsch nachgekommen. Mitte November war es dann soweit und als dann die Männer des Rettungsdienstes ins Krankenzimmer kamen um Julian zu holen, hat er nur noch gestrahlt. Dies war zu diesem Zeitpunkt neben kleinen Armbewegungen die einzige Möglichkeit sich zu verständigen. Dieses Lachen hat dann aber gezeigt, dass es die richtige Entscheidung war nach Hause zu gehen....